28 Januar 2013

Schaumküsschen

Ein kleiner Beitrag aus der Rubrik: "Damals wars".

Als ich ein Kind war, hießen Schaumküsse nicht Schaumküsse, Dickmanns oder Schokoküsse (oder wie immer die jetzt heißen, ich bin da gerade nicht so ganz auf dem Laufenden, weil man solche Dinger nur essen kann, bis man zu alt für so einen Zuckerschock wird und das ist bei mir schon lange her). Nein, die schokoladenüberzogenen Gebilde aus Eischnee mit Zucker auf Waffel hießen "Negerkuss" oder auch "Mohrenköpfe" (und es gab sie ausschließlich mit dunkler Schokolade, nicht so neumodisch wie heute in zig Sorten und man bekam sie auch beim Konditor, bzw, in der "Bäckerei"). Heutzutage sind diese Begriffe natürlich ob ihres rassistischen Hintergrundes verpönt und werden nicht mehr verwendet. Aber diese Information ist wichtig, will man die folgende kleine Anekdote verstehen.

Meine Großmutter hat mir folgende Begebenheit aus ihrer Kindheit erzählt: Sie war zum ersten Mal in einer großen Stadt, zusammen mit einer entfernten Tante die sie selbst kaum kannte und die ihr sehr fremd vor kam. Diese Tante war recht vermögend, sehr vornehm und alles war anders als Zuhause. Sie zog der kleinen Emma ein schickes Kleid an und ging mit ihr in einer teuren Einkaufstraße "Flanieren" (das bedeutet: Man geht schick aufgetakelt und langsam eine Hauptstraße hinauf und wieder hinunter, damit alle einen sehen können - früher war das nötig um auf sich aufmerksam zu machen, denn es gab kein Internet wo sich alle selbstdarstellen hätten können). Ihre Tante traf dabei auf ein paar Freundinnen und diese fingen an sich zu unterhalten. Obwohl meine Großmutter, wie damals schlicht üblich, gut erzogen war und ihren Unmut und ihre Langeweile nicht allzu übertrieben zeigte, wurde der Tante irgendwann wohl bewusst, dass da ein kleines Mädchen vor Langeweile umkommt. Um das Kind ein wenig abzulenken, zog sie ihr Portmonee hervor, nahm einen Groschen heraus, gab ihr das Geld, deutete über die Straße und sagte: "Geh Emmi, lauf schnell dort herüber und kauf dir einen Negerkuss."

Die kleine Emmi fing darauf hin bitterlich an zu weinen und lies sich gar nicht mehr beruhigen. Sie schrie immer nur, sie wollte das nicht tun und weinte nur noch lauter. Was war passiert? Nun meine Oma kannte bis dahin diese süße Verführung nicht und als ihre Tante über die Straße zeigte, stand direkt vor der Konditorei ein „Neger“, oder wie es heute natürlich korrekt heißt, ein Mensch mit dunkler Hautfarbe. Meine Oma dachte im Ernst, ihre Tante würde wollten, dass sie sich von ihm küssen lässt und dafür war sie vermutlich noch zu jung ;)

Wie komme ich überhaupt jetzt auf diese Geschichte?
Ein Aufschrei geht durch das Land, weil alte Kinderbücher derzeit überarbeitet werden und Begriffe, die heute nicht mehr gebräuchlich sind durch passende, aktuelle Begriffe ersetzt werden. Einer der Begriff die ersetzt werden ist eben auch der Begriff „Neger“ und das lies mich an die Geschichte denken.

Der Begriff "Neger" wird und wurde als Schimpfwort für Menschen mit dunkler Hautfarbe oder einem bestimmten ethnischen Hintergrund benutzt, als meine Oma ein Kind war, war das auch schon so, aber damals war es leider leider normal, denn damals waren die Nordeuropäer wirklich der Ansicht, sie wären mehr Wert als z.B. ein Afrikaner oder eben ein Mensch anderer Hautfarbe und so war der Begriff, der diese Menschen beschreibt eben einfach ein Schimpfwort.

Ich selbst habe den Begriff Neger als Kind völlig wertungsfrei kennen gelernt. Damals las ich Pippi Langstrumpf und ihr Vater war eben auch ein Negerkönig – für mich ein König in Afrika. Als Kind habe gar nicht geschnallt, dass dies negativ oder wertend ist, ich fand es einfach nur exotisch. Wenn Pippi dann ihren Freunden gegenüber erzählt, dass die Neger alle lügen, dann dachte ich bei mir, dass sie selbst lügt, denn mir war klar, dass es nicht stimmt - für mich waren „Neger“ eben einfach Menschen, die eben einfach nur woanders wohnen und dunkel sind. Ich respektiere natürlich, dass wohl die meisten dunkelhäutigen Menschen nicht Neger genannt werden möchten, da es eben ein Schimpfwort ist und kann verstehen, dass dies geändert werden soll. Allerdings meine ich persönlich, dass diese nicht nötig ist, besser wäre es, wenn die Eltern ihren Kindern erklären, was es überhaupt mit den Geschichten auf sich hat und warum es eigentlich gar nicht so nett ist, was die Frau Lindgren da schreibt und weshalb man heute nicht mehr Neger sagt. Was die Sache mit dem wichsen angeht – prust – tja, das wäre doch durch eine einfache Erklärung auch schnell aus der Welt geräumt. Das heißt nicht, dass ich gegen Änderungen bin, ich habe eigentlich keine Meinung zu dem Thema. Auf der einen Seite bin ich selbst Autorin und bin froh, dass ich bei jeder Neuauflage meine Bücher korrigieren und verbessern kann. Auf der anderen Seiten sind diese Geschichten wohl schon Kulturgut und niemand würde wohl einen Rubens übermalen, weil nun schlanke Frauen eher gebräulich sind und seine dicken Weiber anstößig wirken können.

1 Kommentar:

  1. Heips!

    Laut neuem Gleichbehandlungsgesetz ist es jetzt nicht mehr zulässig,
    weibliche Personen mit "Frauen" zu benennen weil das nicht genderneutral ist.
    Das muss jetzt heissen "Person mit Menstruationshintergrund"

    GLG die Claudi, die kein "Konto" irgendwo angeben kann,weil sie keines hat.

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