06 Juni 2012

Norddeutschland


Ich wohne in Norddeutschland, in Osnabrück. Früher wohnte ich noch weiter nördlich, in Bremen – ich bin also Kummer gewöhnt. 


In Osnabrück kommt es ganz besonders dicke und vor allem nass, nämlich in Form von dicken Tropfen und zwar immer von Oben. Das liegt daran, dass Osnabrück von Hügeln umgeben ist die dafür Sorgen, dass alle Wolken schön hier drin bleiben. Gemeinerweise lassen sie aber auch alle Wolken erst einmal rein und dann kommen sie nicht mehr raus und das nervt die Wolken und darum heulen und jammern sie rum und dann wird es nass. Es ist aber nicht immer nass, manchmal ist es auch kalt und nass, so wie jetzt. Dabei ist es dann auch grau, grau, grau und grau und nieselig und kalt und nass. So ist es in Osnabrück … und in Niedersachsen. Ich bin davon überzeugt, dass wir Osnabrück auch die nächste Sintflut ohne größere Probleme überleben werden, denn ich vermute, dass wir alle ohnehin schon Anlagen für Kiemen in uns tragen, das hat jeder Norddeutsche und sobald die Erderwärmung die Polkappen abschmilzt werden wir einfach Kiemen kriegen und unter Wasser leben, wir leben ja fast schon unter Wasser und so wird es bleiben.

Aber Norddeutschland ist nicht nur kalt, nass, grau und rauh, nein, es hat mehr zu bieten. Wenn man Urlaub an der Küste macht, dann kann man Nachts nicht schlafen. Nicht wegen dem rauen Wind, nicht wegen den blökenden Schafen auf dem Deich, nicht wegen dem prasselndem Regen, den Blitzen, dem Donnern – nein der wahre Grund sind die Kühe. Ganz Norddeutschland ist übersät mit Kühen und die tun das, was sie am besten können (neben Milch geben und Gras wiederkäuen) – sie muhen und das tun sie ständig, rund um die Uhr und laut und nervig und kuhig.

Norddeutschland hat noch mehr zu bieten, die Menschen hier sind ausgesprochen frostig freundlich und redseelig. Sie kriegen mitunter ganze Sätze zusammen, vor allem, wenn sie über das Wetter reden, da hört man dann schon mal: „Jo, sieht nach Regen aus“. Ansonsten beschränkt sich der Norddeutsche darauf zu jeder Tageszeig „Moin“ zu rufen, wenn er jemanden trifft und „Tschüs“ gleich danach, selten kommt dazwischen kommt noch ein Satz, meist über das Wetter. Wenn man sie um etwas bittet, dann sagen sie „Jo“ und bleiben dabei wie angewurzelt stehen, ob sie der Bitte nachkommen oder nicht wird durch das Jo nicht ganz klar, denn das kann beides bedeuten, man muss dann einfach abwarten was passiert – und warten – und warten – und warten. Irgendwann wird etwas passieren, was auch immer das sein mag, vermutlich fängt es an zu regnen.

Norddeutschland hat auch viel Landschaft zu bieten. Allerdings sieht man fast überall nur sehr wenig davon, denn es ist hier flach. Es ist so flach, das man vermutet, selbst die Erdkrümmung macht einen Umweg um Norddeutschland. Man sieht nur einen kleinen Strich Landschaft, also die Bäume die direkt vor einem stehen und den Himmel. Mehr sieht man nicht. Man nennt das ein „weites Land“, was soviel bedeutet wie: Hier gibt es nicht einmal einen Maulwurfshügel und wenn es ihn gäbe, sähe man ihn schon bevor man überhaupt in Norddeutschland ist. Außer in Osnabrück, denn das ist im Süden Nordddeutschlands und im Süden hat es ja bekanntlich Berge und deshalb gibt es eben um Osnabrück diese wolkenfangenden Hügel, denn Osnabrück ist ja soooooo südlich (darum sind wir auch ein katholisches Bistum, also schon fast Bayern ... nur nicht ganz so provinziell wie z.B. München).

Tiere hat es hier auch, neben den Kühen gibt es Schafe und Hühner und Möwen, Möwen gibt es hier unzählige und zwar überall. Sogar im Binnenland gibt es massenhaft Möwen, ihnen reicht eine Pfütze um zu deklarieren: „Das ist Küste, hier bin ich“. Möwen sind laut, scheißen über all hin und nerven mehr als Tauben.

Ich liebe Niedersachsen und Norddeutschland.

Kommentare:

  1. Die Liebe strahlt einem aus diesem Artikel entgegen ;) Aber das Wetter ist echt n Witz, oder? Der letzte Sommer war ja schon ne Katastrophe, soll das dieses Jahr so weiter gehen? Wollte doch Erdbeeren pflücken...am Ende brauch ich dafür nen Schnorchel...

    *schauder* und gleich muss ich auch noch raus... um so lustige Dinge zu tun wie Nachhilfe geben. Meh.

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  2. Meckern scheint geholfen zu haben. Hier regnets mal ausnahmsweise nicht gleich beim Aufstehen.

    Ansonsten: Nette Zusammenfassung vom Leben in Niedersachsen, dem habe ich nichts hinzuzufügen außer: Jo, so isses! ;)

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